Voll Kohl, ey {Laubenhausmädchens Gemüsegarten}

Ich mach‘ ja selten was nach Lehrbuch im Garten. Meistens läuft das eher so nach dem Motto, „Oh, das sieht aber schön aus, das probier‘ ich mal!“ Oder, „Hm, lecker! Das will ich wohl auch …“ So passierte es dann zum Beispiel, daß ich in meiner ersten Saison als Schrebergärtnerin vor fünf Jahren nur durch Versuche herausfand, daß Hortensien die pralle Sonne einer Südterrasse partout nicht vertragen. Die, die ich angeschafft hatte, weigerte sich standhaft zu blühen, und tat das auch erst wieder, als sie auf der Ostseite der Laube eine neue Heimat fand. Ah, Halbschatten, okay. Na gut!

Manche Ernte ist auch schon eher dürftig ausgefallen, weil ich vergaß zu gießen und regelmäßig zu düngen oder weil ich die Schere zu radikal angesetzt hatte. (Oder weil die Schnecken sich nicht aufhalten ließen.) Brombeeren tragen am zweijährigen Holz? Dann sollte ich sie vielleicht nicht in jedem Herbst wieder auf Stumpf und Stiel zurückschneiden! (So halte ich das mit meinen Himbeeren, die folgerichtig immer erst im Herbst tragen. Brombeeren lassen sich aber offenbar nicht umerziehen.) – Man lernt doch nie aus. Es ist ja auch nicht so, daß ich nicht massenweise Literatur und Ratgeber zu Hause hätte. Der Gartenfreund (das monatlich erscheinende Verbandsblatt der Kleingärtner in Nordrhein-Westfalen) wird bei uns ohnehin archiviert. Und so wie ich Kochrezepte horte (Ihr wißt, das Eichhörnchen-Problem!), sammele ich auch alles Gartenzeitschriftliche, das mir irgendwie relevant erscheint, und schaue immer wieder nach Büchern. Ich gucke da nur so selten rein! Das gebe ich zu.

In dieser Saison hab‘ ich aber ein Gemüse-Projekt vor, bei dem es mir doch zu schade wäre, wenn das gar in die Hose ginge. Rosenkohl nämlich! Sehr wohl. Eine lilafarbene Sorte – ich meine, wie schön ist das denn! Oder? Ich fand die Sorte zufällig bei meinen Streifzügen durchs Netz im Online-Shop von Arche Noah in Österreich. Arche Noah ist die Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihre Entwicklung. Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins setzen sich seit über 25 Jahren für den Erhalt alter Kulturpflanzen und für Sortenvielfalt ein – das ist doch absolut eine unterstützenswerte Angelegenheit, wie ich finde! Und in die lila Kohlröschen hatte ich mich eh verliebt und mußte sie bestellen, da führte kein Weg dran vorbei. Das war Anfang des Jahres, im Januar glaube ich. Und wie ich drauf gewartet habe, daß es endlich Mai wird, damit ich die Samen ausäen konnte!

Der Rosenkohl soll ja bis in den Winter hinein im Beet stehen – toitoitoi! –, darum sät man ihn erst relativ spät. Anfang bis Mitte Mai kann vorgezogen werden, und etwa drei, vier Wochen später wird dann ausgepflanzt. Das ist jetzt! Und so habe ich mich vor ein paar Tagen dran gewagt und die Sämlinge im Gemüsegarten ins Beet gesetzt. Aufregende Angelegenheit, das kann ich Euch sagen! Um ganz sicher zu gehen, habe ich mich an die Tips zum Kohlanbau aus dem Handbuch Biogemüse* gehalten, ein echter Wälzer, den ich aber nur jedem ans Herz legen kann, der Gemüse im Garten hat. Da steht einfach alles drin, was man wissen will oder wissen muß; und so übersichtlich gegliedert, daß man sich auch als Nicht-Profi gut zurechtfinden kann.

Rosenkohl gehört wie alle Kohlarten zu den sogenannten Starkzehrern und braucht also Futter – das heißt: zunächst mal ordentlich Kompost. 3 bis 5 l auf den Quadratmeter Beetfläche empfiehlt der Ratgeber. Ob es nun diese Menge exakt war? Das weiß ich nicht so genau, wir haben ja schließlich im Frühjahr die Schubkarre nicht auf die Waage gestellt (das wäre was!) … Aber Kompost ist jedenfalls da und längst eingearbeitet. (Die Kartoffeln auf der gleichen Fläche direkt nebenan wachsen wie doof: Das nehme ich als gutes Zeichen und hoffe jedenfalls, daß beide sich gut vertragen.) Gründlich gelockert werden sollte der Boden vor dem Pflanzen auch. Geringstes Problem: Kultivator geschnappt und die Erde gut geharkt. Hark, hark!

Weil die Sämlinge mir doch noch recht zart erschienen, habe ich zum Pflanzen unseren Blumenzwiebelpflanzer zur Hilfe genommen und in regelmäßigen Abständen – der empfohlene Pflanzabstand ist 50 x 50 cm – kleine Löcher in den Boden gestochen. Da hinein habe ich die Pflänzchen je einzeln gesetzt, wieder mit Erde angefüllt und leicht angedrückt. Dann: mit der Gießkanne ganz vorsichtig ein bißchen gegossen. Vom Regen war die Erde ohnehin noch feucht an diesem Tag. – Ob der Rosenkohl allerdings die derzeitigen Temperaturwechsel von 18-Grad-frisch zu 30-Grad-heiß, Gewitter und wieder zurück überhaupt verträgt, wird sich wohl noch erweisen müssen, ich bin mir da nicht ganz sicher! (Lasse mich aber nicht ins Bockshorn jagen.)

Zum Schluß habe ich mich an einen weiteren Rat aus dem Handbuch gehalten und ein Stück Kulturschutznetz auf die Pflänzchen gelegt und an den Rändern mit Steinen aus dem Garten beschwert. – Wofür Spontankäufe doch gut sind! Nach Feierabend noch mal eben schnell am Gartenmarkt anhalten, das kann ich gut. Und manchmal begegnen mir da Sachen … Diese Netze wurden bei so einer Gelegenheit mal günstig angeboten und ich dachte zu der Zeit, „hm, kann man vielleicht irgendwann mal brauchen?“ Die Teile sind aus Baumwolle, ganz leicht und feinmaschig, und man kann sie aufs Gemüse legen, um zum Beispiel Schädlingsbefall oder Schneckenfraß zu verhindern: Beides will ich auf gar keinen Fall! Soll ja noch was werden mit der Ernte. Licht und Wasser gehen durch, und um den Boden um die Pflänzchen herum vorsichtig zu lockern, kann man so ein Netz natürlich jederzeit abnehmen. Sollte man auch.

Und jetzt – heißt es warten. Regelmäßig gießen und beobachten, wie der Rosenkohl sich entwickelt. Der Ratgeber empfielt, die Erde in den ersten 2 bis 3 Wochen nach der Pflanzung eher trocken zu halten, um das Wurzelwachstum anzuregen. Das kann ich ja nicht so gut aushalten – da sehen die kleinen Pflanzen ganz schön traurig aus. Ich hoffe nur, daß sie unter ihrem Schutznetz gut wachsen können: Wenn sie groß genug sind, wird zur Pflege mit Rasenschnitt gemulcht. Noch eine Empfehlung von den Profis: Düngen mit Pflanzenjauche, sobald der Kohl die ersten Röschen ansetzt.

Bis dahin dauert’s ja noch ewig! Aber wenn’s was wird mit mir und den Kohlröschen, werdet Ihr im Herbst und Winter an dieser Stelle vielleicht das eine oder andere Rezept finden. Bleibt mal dran! Das würde mich sehr freuen.

 

*Andrea Heistinger und Arche Noah, Handbuch Biogemüse, ungekürzte Lizenzausgabe der Eugen Ulmer KG, Löwenzahn Verlag 2010. Selbst erworben durch Zufall in einem Ramschverkauf.

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