Knusper, knusper Knäuschen {Laubenhausmädchen verreist}

Stellt Euch vor, Ihr hättet ein Hobby? Nicht irgendein Hobby, klar. Häuser sammeln! – Ja, richtig. Echte Häuser: historische Holzhäuser. Sammeln. Ihr würdet sie kaufen, wo auch immer Ihr eines auftreiben könntet, ganz in der Nähe Eurer Stadt oder im weiteren Umkreis. Transport wird organisiert. Ihr würdet diese Häuser restaurieren und (als ob das nicht an sich alles schon verrückt genug wäre!) mit viel Liebe und einem unglaublichen Blick für jedes Detail einrichten. Mit Antiquitäten aus der Zeit und Möbeln, die Ihr in Eurer eigenen Werkstatt selbst gebaut hättet. Aus geschichtlichem Interesse – und aus Spaß.

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Gibt’s alles gar nicht? Doch, ja. Das gibt’s. Während meines Urlaubs in North Carolina in diesem Frühjahr habe ich zwei Menschen kennengelernt, die so liebenswert durchgeknallt sind, daß sie das alles tun. Jackie und Ben Hobbs aus Hertford, NC haben in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder eines dieser historischen Holzhäuser erworben und möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. In einem der Häuser wohnen sie selbst. Sie teilen aber ihre Begeisterung längst sehr gern mit Besuchern, denn andere vermieten sie sogar. Nur für ein paar Nächte, für die Ferien oder für längere Zeit, mit oder ohne Frühstück, ganz wie man mag. Das Beechtree Inn ist ein Bed & Breakfast – und was für eines*! Ich kann mich kaum erinnern, daß ich auf Reisen schon mal so offen aufgenommen worden bin.

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Die Holzhäuschen stammen sämtlich aus der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Das, in dem ich unterkam – das rot gestrichene, Bennet’s Creek House – datiert von 1760, und ein bißchen kam ich mir tatsächlich manchmal vor wie ein echtes Südstaatenmädchen in meinem four poster bed mit den bestickten Kissen und der hübsch geblümten Decke… Eine Reise in vergangene Zeiten, in den alten Süden der USA, der im Beechtree Inn heute noch erlebbar ist. Und zwar mitsamt der legendären southern hospitality, der großen Gastfreundschaft, für die die Menschen im Süden so berühmt sind. So viel Herzlichkeit! Das hatte ich ehrlich gesagt so überhaupt nicht erwartet. Zum Frühstück saß ich jeden Morgen bei Jackie im Eßzimmer, die mir frisch gebackene Muffins oder Waffeln mit Sirup vor die Nase setzte, ein Omelette dazu oder Rührei mit Gemüse, Granola und – davon träume ich wirklich heute noch – Cantaloupe-Melone frisch vom Feld. Selten so eine gute Melone gegessen! Und ich wußte vorher nicht mal, daß die Früchte in der Gegend überhaupt angebaut werden. (Wieder ein Obst mehr, das ich jetzt hier erst gar nicht mehr kaufen mag.)

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Jackie brachte das Frühstück nicht nur, sie nahm sich sogar die Zeit, mit mir zu frühstücken, und war immer interessiert daran, was ich am Tag zuvor erlebt hatte – oder sie wußte noch Tips, welche Abkürzungen ich fahren und welche sights ich mir nicht entgehen lassen sollte. Da sie hinter ihrem Haus auch einen kleinen Garten kultiviert, konnten wir uns sogar übers Gärtnern beidseits des Atlantiks ausführlich austauschen. Und so bin ich in diesen vier Tagen manches Mal  viel später losgekommen, als ich eigentlich vorgehabt hatte – einfach, weil es so nett war, noch länger dazusitzen und sich zu unterhalten.

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Wieviel das alles gekosten hat, möchtet Ihr jetzt vielleicht noch wissen? 80 Dollar die Nacht, inklusive Frühstück. Beinahe ein bißchen günstig für das, was ich im Beechtree Inn geboten kriegte – wenn Ihr mich fragt. Denn ich habe nichts vermißt in meinem kleinen Häuschen: Kaffeemaschine, Kühlschrank, Mikrowelle, Fernsehen (gut für notorische Serienglotzer wie mich: Friends läuft schließlich immer auf irgendeinem Kanal!), Internet … alles da. Ein Bad mit Dusche übrigens auch. Und wie man hinkommt? [Klick] US Highway 17 – über den ocean highway. Das Beechtree Inn liegt ein bißchen versteckt und sehr ruhig  im Wald, etwa 5 Meilen südlich des Örtchens Hertford. Elizabeth City im Norden ist die nächstgelegene größere Stadt. Bis nach Raleigh, in die Hauptstadt von North Carolina, wären es etwa zwei Stunden Fahrt mit dem Auto. Eine kleine Entfernung für amerikanische Verhältnisse!

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*Keine Werbung. Als ich vor meiner Reise auf der Suche nach Unterkünften war, habe ich das Beechtree Inn durch Zufall auf den Seiten von visitnc im Internet gefunden. Und ich war sofort Feuer und Flamme – da wollte ich unbedingt einige Tage wohnen! Wenn es auch bedeutet hat, dass ich viel mit dem Auto unterwegs war, um ans Meer und auf die Outer Banks zu kommen. Aber das war’s mir echt wert. Zumal ich so auch an Orte abseits der Touristenrouten gekommen bin, die ich (das muß ich zugeben) zunächst mal gar nicht auf der Karte hatte. Edenton zum Beispiel ist echt süß, und ich hätte mir doch dieses Städtchen am Albemarle Sound im Leben nicht angeschaut, wenn mir nicht dieser eine vermaledeite Regentag dazwischen gekommen wäre. Dabei hat der Ort wirklich eine interessante Geschichte. Daß ich Euch mein kleines rotes Häuschen zeigen wollte, habe ich jedenfalls erst nach meiner Reise entschieden. Selbst erlebt, selbst bezahlt. Aber auf gar keinen Fall übertrieben! Einen Besuch in Patricia’s Grille muß ich Euch auch noch ans Herz legen, direkt nebenan auf dem Gelände des Bed & Breakfast. Köstlichst habe ich dort gegessen und gutes Craft Beer aus Brauereien der Gegend probiert. Der Koch des Hauses hat in Kaiserswerth seine Ausbildung gemacht. So klein ist die Welt!

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