Warten auf den Frühling. {Aussaat}

In diesem Jahr ist alles drei Wochen später. Ungefähr. Mindestens! Habt Ihr das auch schon bemerkt? An der Ruhr läßt der Frühling sich jedenfalls noch Zeit. Kalt und grau ist es ganz überwiegend, die Sonne macht sich rar, und wo im letzten Jahr im März längst die Forsythien blühten, sehe ich nichts als kahle Zweige. Kahle Zweige! – In unserem Garten zum Beispiel, der auf den großen Frühjahrsputz immer noch wartet. (Ich hoffe, daß ich bis Ostern wenigstens die Stauden alle noch ausputzen und zurückschneiden kann… Gärtnerurlaub wollte ich diese Woche machen, auf der Terrasse in der Sonne sitzen, und habe mir extra ein paar Tage freigenommen.  Der Wetterbericht ist allerdings auch für die nächsten Tage nicht gerade ermunternd. Dreimal seufz! Regen, Regen, Regen. Sonne nur vereinzelt. Am Samstag vielleicht. Ich sollte einfach nicht mehr darauf hören. Statt dessen: zwei Paar Socken an und ab in die Gummistiefel! Ins Beet.)

Mit der Aussaat war ich in diesem Jahr auch drei Wochen später dran also sonst. Ende Februar, so um den 20. rum, fang‘ ich das in normalen Jahren an, wenn die Tage merklich länger werden, wenn es draußen ausreichend hell und hinterm Fenster schon ein bißchen warm ist. 2016 scheint aber kein normales Jahr zu sein. Neulich erst habe ich die Samen in die Erde gebracht: verschiedene Tomaten (bunte), Gürkchen und Zucchini. An einem sonnigen Sonntag Mitte März war’s, nachmittags auf dem Balkon, und ich dachte: jetzt geht’s los, jetzt kommt der Frühling. – Pustekuchen! Das war ein kurzes Vergnügen. Am Tag drauf erschienen gleich wieder die Wolken. – Reden eigentlich alle Kleingärtner so viel über das Wetter? (Oder bin das nur ich?)

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Im Zeitraffer müssen die Samenkörner jetzt keimen, stelle ich mir vor. Damit das auch alles noch was wird! Bis Mitte Mai? Ich gucke jeden Tag, ob sich nicht endlich was tut in den Töpfchen, während ich die Aussaaterde mit ein bißchen Wasser besprühe. (Wie hier.) Um ihnen gleich ein bißchen auf die Sprünge zu helfen, habe ich einen klitzekleinen Trick probiert und die Körner einzeln gebadet, bevor sie in die Erde kamen: in einem Samenbad.

Samenbad? Davon hatte ich in der Tat auch noch nie gehört. Bei meinen allfrühjährlichen Streifzügen durch die Gartenmärkte der Umgebung stolperte ich aber neulichst über ein ganz interessantes Produkt. Bio-Wurzelguß*! Ein organischer Dünger, der nicht viel mehr enthält als Regenwurmkompost (immer gut), Steinmehl, Malzkeime, Weidenrinde sowie Brennessel und der die Wurzelbildung und das Wurzelwachstum fördern soll. – Erste Regel: je kräftiger die Wurzel, um so besser entwickelt die Pflanze sich oberirdisch. Und warum soll das nicht gleich für Sämlinge gelten, dachte ich mir, und wollte die Sache mit dem Samenbad also versuchen. Ein Keimkraftverstärker, versprach die Anleitung. Das könnte meine Ungeduld vielleicht etwas zähmen. Und die Sache beschleunigen! (Ist das jetzt schnell oder langsam, wenn nach zehn Tagen in den Aussaattöpfen noch nichts zu sehen ist?)

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Die Sache versprach einfach zu gehen, denn praktischerweise wird der Wurzelguß zunächst mal im Teebeutel geliefert. Jawohl: im Teebeutel. In Tüten aus recht grobem Filterpapier, die alle trockenen Bestandteile und Inhaltsstoffe enthalten und die man einfach ins Gießwasser – in die Gießkanne – hängt und einige Zeit ziehen läßt. (Mehrere Stunden.) In Eierbechern, kleinen Schälchen und auf Untertassen habe ich den Samenkörnern mit dem vorbereiteten Komposttee dann tatsächlich ein kleines Bad bereitet. Das Werkzeug der Wahl: meine Blumenbrause, mit der sich sehr einfach etwas von der Flüssigkeit aus der Gießkanne aufnehmen und in die Gefäße verteilen ließ. Da hinein habe ich dann vorsichtig die Samen gelegt und etwa eine halbe Stunde baden lassen. Zum Schluß habe ich die Körner jeweils auf etwas Küchenpapier in einem Sieb abtropfen lassen, gut trockengetupft und direkt in die Erde gesteckt: Aussaaterde wie immer zu diesem Zweck, und für die Größeren (Gurke, Zucchini) Substrattabletten, die ich vorher in etwas Wasser hatte quellen lassen. (In Omas alten Emailleschüsseln, und ich freue mich jedes Mal, daß die sich noch im Keller fanden, als sie umziehen mußte.)

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Jetzt heißt es also doch: warten. Das fällt mir so schwer! Mit den Erbsen und den Bohnen (den Samen) will ich die ganze Prozedur trotzdem im April noch wiederholen. Wer weiß – vorgekeimt und schon ein bißchen höher gewachsen, sind die Pflanzen vielleicht für die Schnecken nicht mehr gar so interessant, wenn sie ins Beet kommen. Könnte ja sein! Oder?

 

*Gibt’s auch im Internet zu kaufen. (Was gibt’s da nicht zu kaufen?) – Direkt beim Hersteller [klick].
Und der Vollständigkeit halber sag‘ ich’s hier noch mal: Ich habe mir das Produkt auch bloß gekauft, aus reiner Neugier und Experimentierfreudigkeit. Wenn’s gut geht, geht’s gut, wenn’s schiefgeht, geht’s schief. (So ist das im Garten.) Ich dachte aber, ich erzähle Euch davon, vielleicht findet das ja außer mir noch jemand interessant.

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3 Gedanken zu „Warten auf den Frühling. {Aussaat}

  1. So ein schöner Blog, so schöne Fotos: Jetzt hab ich glatt Lust, selbst meine Hände in fetter dunkler Erde zu versenken. In Ermangelung eines Gartens könnte ich ja morgen die Balkonkästen umgraben. 😉 Prachtwinde und Löwenmäulchen wären bestimmt begeistert. Und die Katzen erst! 🙂 Oh, und ich hab sogar einen Tipp für dich: Setz in deinem Garten doch mal einen Tigerschlegel aus: Sieht gruselig aus, ist aber sehr nützlich, weil er Nacktschnecken und deren Gelege frisst. Soweit ich weiß … 😉 Bleib dran! Und liebe Grüße!

    • Tigerschnegel? Hab‘ ich noch nie gehört, muß ich mal googeln. – Und wie wär’s, kommste vorbei, graben wir zusammen. Frühjahrsputz auf dem Acker ist noch nicht beendet! (Verpflegung natürlich inklusive.) ❤

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