Veggie Scouse {Kulinarische Reisevorbereitungen}

Mit den Reisevorbereitungen ist das so wie mit den Souvenirs: Die kulinarischen sind mir oft die liebsten. Geht Euch das auch so? Bevor ich irgendwo hinfahre, guck‘ ich gern mal, was es denn wohl dort zu essen gibt. Und meist will ich das dann auch probieren, rein aus Neugier. Also: nachkochen. Ganz exotisch sind unsere Urlaubsziele ja nie, das muß ich zugeben, insofern gehört auch nicht viel Mut dazu, daß ich mich in die Küche stelle. (Heuschrecken sind ausgeschlossen. Octopus auch, zum Beispiel. Saure Nierchen.) Nur ein bißchen Phantasie, die brauchts vielleicht.

Ich meine, Graupen? Graupen sind wahrlich keine wilde Zutat, aber in meinen Kochtöpfen gelandet waren sie trotzem noch nie. Bis jetzt. Das Laubenhaus Beatlesmädchen fährt nämlich bald nach Liverpool!! OMG Ich freu‘ mir ’n Ast ab und erzähle den lieben Kolleginnen von fast nichts anderem mehr. Hier ey, Cavern Club! Tickets gebucht, Tanzbein schwingen! – Das war im Januar. Und oh, coole Kneipe gefunden. Punk Tea im Baltic Social! Da muß ich hin! Inzwischen zähl‘ ich die Tage runter und frage mich, ob’s wohl viel regnen wird? – Falls ja, dann wird das aber nicht viel machen, denke ich mir. Die Museumsbesuche sind eh geplant (Beatles Story, of course. Tate Gallery). Und daß die Liverpudlians herzerwärmende Eintöpfe können, weiß ich jetzt auch. Hab‘ nämlich am Wochenende einen großen Topf voll gekocht!

Scouse – das heißt nichts anderes als das. Kommt von Skaus, norwegisch Eintopf. Liverpool war ja schon immer eine Hafenstadt, und die Seemänner haben ihre Traditionen an Land gebracht. Wer jetzt gedanklich direkt beim norddeutschen Labskaus ist, liegt gar nicht so falsch. Eingelegte Rote Bete ißt man in Liverpool auch dazu, das ist aber im Grunde fast schon die einzige Gemeinsamkeit. Daß die Liverpudlians – Scousers, wie sich sich selbst auch nennen – den Rollmops weglassen, war mir allerdings sehr sympathisch. (Rollmops mag das Laubenhausmädchen nicht.) Im Orginal gehört ordentlich Rind- oder Lammfleisch in diese Eintopf-Variante, in größeren Stücken mit Kartoffeln und Gemüse stundenlang gekocht. Das ist nicht so meine Sache (Lammfleisch vor allem nicht), deshalb habe ich mich nach längerer Rezeptesuche im Internet für die Veggie-Variante entschieden. Richtig: mit Graupen! Auch das scheint mir ein altes Rezept zu sein. Blind Scouse, wer sich das teure Fleisch nicht leisten konnte, hat eben als Ersatz die Getreidekörner genommen. Blind heißt in dem Fall, daß die Brühe für den Eintopf mit Knochen gekocht wurde, die hat man vielleicht gerade noch irgendwo gekriegt. Aber auch das habe ich nicht gemacht und stattdessen Gemüsebrühe verwendet. (Mit Fleischbrühe zu kochen, wenn Veganer zum Essen zu Besuch kommen, wäre auch ein bißchen fies gewesen! Das kommt ja nicht in Frage.)

Ran an den Topf? – Ran an den Topf. Für eine großzügige Portion Scouse braucht Ihr 1 große Gemüsezwiebel, 3–4 Möhren, einige Kartoffeln, 2 Stangen Sellerie, 200 gr Graupen, zwei Handvoll Rosenkohl-Röschen und ca. 1,5 Liter Flüssigkeit – Gemüse- oder Fleischbrühe, je nach Geschmack. Dazu Salz, Pfeffer und 2, 3 Lorbeerblätter. Ein bißchen Öl. Eingelegte Rote Beete!

Und so geht’s, ganz einfach:

1. Gemüse putzen, Kartoffeln schälen und alles in eher grobe Stücke teilen. In einem großen Topf das Öl erhitzen und das Gemüse darin anschwitzen. (Mach‘ ich immer so, das gibt noch mal ein bißchen mehr Schmackes in die Suppe.) Mit der vorbereiteten Brühe aufgießen, daß der Topfinhalt gerade bedeckt ist. Die Lorbeerblätter hinzugeben. Das ganze einmal aufkochen lassen.

2. Wenn der Eintopf kocht, die Graupen zugeben und noch einmal Flüssigkeit nachgießen – das Getreide schluckt ganz schön, habe ich festgestellt. Die in der Packungsanweisung angegebene Menge Wasser (bzw. Brühe) zu ergänzen, war jedenfalls nicht falsch.

3. Bis die Graupen gar und die Gemüse sämig-cremig sind, dauert es dann noch mal etwa eine halbe Stunde. Man muß allerdings sagen, je länger das alles vor sich hinköchelt, umso besser schmeckt es am Ende. Das ist wie bei jedem guten Eintopf! Ich habe am Ende noch einige Blätter Rosenkohl zugegeben und fand das sehr lecker. In anderen Rezepten wurde frischer Spinat oder in Streifen geschnittener Wirsing verwendet, das wäre sicherlich auch mal einen Versuch wert. Den Rosenkohl hatte ich aber noch im Vorrat, deshalb. Salz und Pfeffer nicht vergessen!

4. Mit der Roten Beete servieren. – Hhmm, lecker …

Das war eine gelungene Nachkoch-Aktion, kann ich Euch sagen! Und freue mich jetzt noch mehr darauf, daß ich bald für ein paar Tage nach Liverpool fahre. Davon werde ich Euch dann sicher auch erzählen. Wenn Ihr mögt?

 

Was, schon zwei? {Bloggeburtstag}

Im Februar ist Geburtstag. Bloggeburtstag! Schon der zweite. Und ich hätt’s doch beinahe verpennt. – Schon wieder ein Jahr rum? Das kann nicht sein. Aber ja, doch. Im Februar 2015 bin ich mit dem Laubenhausmädchen und einer Handvoll Tomatensamen in die Gartensaison gestartet. Im letzten Jahr saß ich um ungefähr dieselbe Zeit am Rechner und war doch recht verdattert über alles das, was mir in meinem ersten Jahr als Bloggerin so wiederfahren war. Hier könnt Ihr das nachlesen, wenn Ihr mögt.

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Wie ich mir den Sommer ins Haus hole

Ihr fragt Euch bestimmt: Juckts die gar nicht in den Fingern? Daß sie wieder in der Erde wühlen und im Garten werken kann? Doch, schon. – Ja, sicher tut es das! Eben erst Erde unter den Nägeln gehabt (mit Handschuhen arbeite ich nicht so gern), da die Aufräumarbeiten ja längst laufen. Der Frühjahrsputz im Garten ist im Gange, so es das Wetter und die Temperaturen wohl erlauben. Da muß man dann eben dem Nieselregen ab und zu ein Schnippchen schlagen und wie heute nachmittag mit der Kaffeetasse unterm Laubenvordach sitzen und warten … Sonntags nur leise Arbeiten, das Laub aus den Beeten holen, das bis vor kurzem noch als Kälteschutz dienen sollte, an den Stauden Verblühtes und Verbrauchtes, am Frauenmantel – und davon haben wir viel! – die braungewordenen Blätter abschneiden: Da gibts jetzt schon eine ganze Menge zu tun. Den ersten Löwenzahn mußt‘ ich schon loswerden! Und bis zum Gemüsebeet sind wir noch gar nicht vorgedrungen, das auch noch hübsch gemacht werden soll. Das kann aber nun wirklich noch ein bißchen warten, denke ich. – Da ist ja noch die Berberitzenhecke, die jetzt doch ganz abgeräumt wird, weil sie uns mit ihren ewigen Stacheln so nervt: laute Arbeiten nur unter der Woche und mit großer Unterstützung der Obleute aus dem Schrebergartenverein, die einen Motorsägenführerschein haben. Und das entsprechende Gerät. Danke, Männer! (Muß man ja mal sagen.)

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Das Eichhörnchen-Problem {Rezeptesammlung}

Ich bin eigentlich kein Sammler. Ich hebe viele Dinge auf, ja. Eintrittskarten, Postkarten, Bordkarten, Kalender … persönliche Erinnerungen. Aber sammeln? Nein, oft  schmeiße ich solche Sachen auch weg, hab‘ ich ja alles im Kopf, denke ich dann. Dafür brauche ich keinen Beweis! Was ich allerdings horde wie ein Eichhörnchen? Kochrezepte. Eindeutig: Kochrezepte.

Für mich sind Rezepte Erinnerungen. Erinnerungen an Urlaube, an Orte, Länder oder Leute, an Abende mit Freunden, Kochaktionen in meiner alten WG, an Momente. Jahreszeiten, Gerüche. Und wie einfach das ja heute ist, Rezepte zu sammeln! (Jetzt klinge ich wie meine Oma.) Ein Klick, und zack: oh schön, gespeichert bei Facebook. Das sieht aber richtig lecker aus, im Browser ein Lesezeichen gesetzt, bei Instagram geherzt, das will ich aber auch mal ausprobieren! Ausgedruckt, abgeheftet, für später gemerkt, wenn ich mal Zeit habe. Früher hatte ich für diese Zwecke ein eigenes Heft (– wo wir von Souvenirs sprechen: in Frankreich gekauft vom Urlaubstaschengeld, da war ich vielleicht 16 0der 17, und ich denke heute noch dran, wenn ich dieses Heft in die Hand  nehme. Das habe ich tatsächlich seit über 20 Jahren aufgehoben! Die ersten Rezepte meiner Sammlung hatte ich dafür vorgesehen, sie fern von zu Hause nachkochen zu können, als ich zum Studium auszog. Sehr oft habe ich in der ersten Zeit dann doch in der Mensa gegessen, aber ich war immerhin vorbereitet!), in das ich Ausrisse aus Zeitschriften und von Verpackungen geklebt oder Rezepte abgeschrieben habe. (Absolutes Highlight: die Schaumkußtorte. Oder auch die Rückseite des Couscous-Kartons. Wie ging das noch mal? Das waren eben die kleinen Herausforderungen.) Heute nutze ich regelmäßig mein Telefon als Speicher und leiste mir gelegentlich ein Kochbuch, wenn ich ganz und gar nicht widerstehen kann. Kochbücher lasse ich mir auch gerne schenken … Aus dem Literatur-und-Küche-Kalender, der jedes Jahr im Arche Kalender Verlag erscheint und der traditionell bei uns in der Küche hängt, habe ich inzwischen so viele Kalenderblätter herausgerissen und aufgehoben, daß man daraus ganz sicher problemlos mindestens zwei neue Jahreskalender zusammenstellen könnte. Und so weiter und so fort.

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Rückblick? – Ausblick!

2017. Neue Saison, neues Glück. 14. Januar, draußen: Schneeregen. Alles andere als Gartenwetter. Vor meinem geistigen Auge sehe ich knackigen Salat, knallgrüne Erbsen, köstliche kleine Gurken … Kirschblüten, Heidelbeerknospen … Tomaten! Auf jeden Fall Tomaten. Es heißt ja immer, Geduld sei unter Gärtnern die meistgefragte Tugend. Aber wie lange muß ich denn noch auf den Frühling warten? (– Ernsthaft. Wie lange noch? Hätte ich mir mal doch ’n Abreißkalender gebastelt.)

Diese Frage stelle ich mir jedes Jahr um diese Zeit. Im Kopf habe ich die Beetbelegung im Gemüsegarten dann längst geplant. Dafür brauche ich doch keine Zeichnung! Denke ich. Ich weiß doch noch, wo im letzten Jahr die Kartoffeln standen … (Oder? Ja, na klar. Da.) Ich weiß auch, wo im Staudenbeet vorn an der Laube ich im Frühjahr noch Sonnenhut pflanzen will. Viel mehr Sonnenhut. Daß wir dringend ein Insektenhotel im Garten brauchen, weiß ich auch. Daß den Himbeeren ein ordentliches Gerüst guttun würde … Projekte, Projekte. Mit Rückblicken halte ich mich gar nicht länger auf. Außer vielleicht in Form von guten Vorsätzen für das neue Gartenjahr, in aller Kürze. Salat zum Beispiel. Salat nur noch im Hochbeet oder in mit Stacheldraht mehrfach gesicherten erhöht aufgestellten, ordentlich bewandeten Kisten. Einfache Blumenkästen sind zu viel flach. Ich meine, die Schnecken können ja gerne ein bißchen was kriegen – aber nicht alles. Dieses Jahr würde ich doch gern auch mal selbst von meinem Pflücksalat und meinem Rucola essen. Oder von den Endivien. (Ja ja, selbst schuld, ich weiß. Wir hatten ja sogar extra so einen kleinen Schneckenzaun ums Beet gespannt, aber das hat die Viecher nicht abgehalten. Im Gegenteil. Die Sache mit dem Kupfer und dem Schrecken ist vielleicht doch nur ein Mythos?) Zweiter Vorsatz: Tomaten häufiger düngen, Blütenendfäule vermeiden. Dritter: Zwischen den Dahlien NICHT wieder mulchen. Auf gar keinen Fall. Rasenschnitt ist für Schnecken die reinste Beschleunigungsspur. Das ist eine Erkenntnis, für die ich im letzen Jahr teuer bezahlt habe, mit abgenagten Blütenköpfen nämlich und mit Pflanzen, die am Ende wieder gar nicht mehr gewachsen sind. Obwohl ich meine Dahlien doch extra vorgezogen hatte, um ihnen einen Vorsprung zu verschaffen. Und in Schneckenringe gesetzt! (War mir sehr unangenehm – habe ich Euch gar nicht erzählt.) Vierter: Immer einen Vorrat geeignete Schraubdeckelgläser vorhalten. Wenn alle Beeren auf einmal reifen, kann man gar nicht schnell genug spülen. Und einkochen.

Das ist doch übersichtlich, oder? Laubenhausmädchens Gartenvorsätze. Der fünfte: Vielleicht kommen wir ja dieses Jahr dazu, die Laube ein bisschen ordentlicher zu halten. Für die olle Eckbank wollte ich doch schon immer mal ein paar schöne Kissen beschaffen. Über die Sache mit dem Jäten und so brauchen wir gar nicht reden …

Jedenfalls kombiniere ich jedes Jahr wieder gern altbewährtes Lieblingsgemüse mit Neuem. Keine Saison also ohne  Erbsen, ohne Bohnen, ein paar Kartoffelpflanzen, Zucchini, Tomaten. Gurken! Was war das für ein Fest im letzten Sommer, die ersten geschmorten Gurken aus eigener Ernte zu essen. Die müssen also ganz unbedingt wieder her! Radieschen, Küchenkräuter … eigentlich ist das doch alles schon wieder viel zu viel dafür, daß unser Gemüsebeet kaum 20 Quadratmeter hat.

 

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Große Kirschenliebe. Und ein Dessert

Eßt Ihr auch so gerne Kirschen? Ich liebe Kirschen. Frisch vom Baum schmecken sie am allerbesten, finde ich. Oder in der Marmelade. Als Kompott, auf Waffeln … im Kuchen! – Und wie ich mich freue, daß mitten in unserem Garten ein großer, alter Kirschbaum steht: Das ist mein Schönstes, jedes Jahr wieder. Wenn am Kirschbaum die ersten Knospen aufgehen, zähle ich schon die Blüten und freue mich auf die Ernte. (Geduld ist nicht Laubenhausmädchens Stärke.)

2016 hat der Baum es gut mit uns gemeint, eimerweise haben wir Kirschen gepflückt. So viel, daß wir die frischen Früchte gar nicht alle auf einmal essen konnten. So viel, daß mit dem Marmeladekochen nicht mehr hinterherzukommen war. Und so viel, daß der Freund sich dachte, och, die Kerne alle wegschmeißen, das ist doch doof. Verschwendung. Was macht er? Setzt kurzerhand einen Likör an. Gewaschene Kirschkerne, dunkler Kandiszucker, Doppelkorn. Das ein paar Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, und heraus kommt ein 1a Likör – schmeckt bald wie Amaretto, aber viel weniger süß. Und sehr kirschig. Ganz schön gut! Schöne Farbe auch. Derweil hatte ich’s mir noch einfacher gemacht und die restlichen Kirschen einfach eingefroren. Irgendwas würde man damit sicher noch anstellen können, dachte ich mir. Später im Jahr, wenn es gut tut, daß man ein bißchen vom Sommer in den Winter herübergerettet hat. Vielleicht ließe sich ja beides kombinieren, die Kirschen und der Likör …?

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Geschenke aus Laubenhausmädchens Küche: Spiced Nuts

Ist denn tatsächlich schon wieder Dezember? Das frage ich mich jedes Jahr wieder, das kann ich Euch sagen. Die Zeit rennt immer schneller … Ehrlich, bis bei mir die Weihnachtsstimmung ankommt, sind die Adventswochen bald um, die Geschenke längst eingepackt und alle Weihnachtsgrüße versendet. Darauf hoffe ich jedenfalls. (3. Advent, das Laubenhausmädchen schnürt Päckchen. Und findet das Klebeband nicht. Wo hab‘ ich das nochmal …? Immerhin ist vom letzten Jahr noch genügend Packpapier übrig. – Seufz. Ich bin der Grinch. Ein bißchen.)

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